Da dieses Thema ja auch eine Art Rat ist, bin ich hier im Clever-Ratgeber vielleicht nicht sooo falsch.
Ich bin Ende letzten Jahres auf die wahnsinnige Idee gekommen, mir ein Instrument zuzulegen und dieses auch noch zu erlernen. Ich lerne also autodidaktisch E-Gitarre spielen! Ich bin noch ganz am Anfang, aber es sei hier kurz erzählt…
Nach 40 Jahren ohne jegliche Erfahrung auf diesem Gebiet (außer der obligatorischen Blockflöte in der Schule) wollte ich doch mal wissen, ob auch ein nichtjugendlicher Mensch in der Lage ist, so etwas zu schaffen. Wäre doch gelacht.
Mein Sohn ist acht Jahre alt und natürlich sofort Feuer und Flamme, als er erfährt was Papa vor hat.
- Teil 1 –
Die Beschaffung des Equipments
29.12.2007
Auf ins Internet und diverse Onlinemusikläden durchstöbern. Was gibt es denn da alles? Mal sehen.
Blasinstrument? Zu laut und zu anstrengend! Schlagzeug? Zu groß und zu teuer!
Ich mache es kurz. Bei den E-Gitarren bleibe ich hängen, und da die günstigsten Sets mit Verstärker und allem was man so braucht für rund 100 Euro über die virtuelle Ladentheke gehen sollen, scheint das ein interessantes Schnäppchen zu sein.
Ich besinne ich mich allerdings darauf, lieber erst in einem fachbezogenem Forum die Beiträge zu durchstöbern.
www.musiker-board.de/vb/ zeigt mir Google als erstes an und wird fortan meine Anlaufstelle, wenn es um Fragen und besonders um Antworten in Sachen Instrumente geht.
Dort werde ich allerdings ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen geworfen und lese ein ums andere mal, dass solche Billigsets nur überteuerter Sperrmüll sein sollen.
Ok. Ich muss mich also entscheiden.
Da wären einerseits die geringen Anschaffungskosten der Billigsets aber evtl. kaum guter Klang, doch, falls das Hobby nach einer gewissen Zeit keinen Spass mehr bringt, auch wenig Geld in den Sand gesetzt.
Auf der anderen Seite stehen hohe Anschaffungskosten für gutes Equipment und guten Klang aber bei Hobbyaufgabe viel Geld verloren.
Aber was wiederum nützt mir das billige Set, wenn ich möglicherweise nach wenigen Tagen schon keine Lust mehr habe, weil es sich einfach doof anhört und nicht gut klingt.
Ich entscheide mich also für eine Markengitarre von Ibanez (ein mittlerweiler auf dem Markt etablierter japanischer Hersteller) für ca. 150,- Euro
Ich stelle im Forum die übliche Anfängerfrage zu dieser E-Gitarre und bekomme auch prompt zahlreiche Antworten. Leider werden mir auch wieder neue E-Gitarrenvorschläge unterbreitet. Und leider sind die Vorlieben von unterschiedlichen Menschen natürlich alles andere als gleichlautend und ich habe noch immer das gleiche Problem wie am Anfang:
Ich kann mich nicht entscheiden.
Schließlich wird mir von jemandem auch noch eine Johnson für 95,- Euro bei Ebay empfohlen, zwar in China gefertigt, soll aber recht gute Qualität sein und sich prima anhören.
Flugs die Bilder angeschaut:
Es ist ein Signature-Model der Band “Sugarplum Fairy”. Die Band kannte ich bis dato nicht und mein Sohn faselte irgendwas von “… Schrift übermalen. Voll peinlich…” hehe
Auf den Bildern sieht sie irgendwie leicht plastikmäßig aus, der Korpus besteht aber aus Esche und der Hals aus Ahorn. Und sie hat drei Tonabnehmer zwei Singlecoil und einen Humbucker zwischen denen man per Switch an der E-Gitarre wechseln kann. http://de.wikipedia.org/wiki/Tonabnehmer
31.12.2007
Um überhaupt mal voran zu kommen, mache ich nun Nägel mit Köpfen und bestelle einfach die Johnson. Nicht das es mir irgendwann wie dem Esel geht, der vor drei Futterhaufen verhungert ist, weil er sich nicht entscheiden konnte. ![]()
Ich bestelle:
-eine E-Gitarre bei eBay für 95,- Euro
Johnson “Sugarplum Fairy”-Signature Edition
-einen Roland Microcube 2 Watt Verstärker für 99,-
-ein Stimmgerät für 30,-
-einen Gurt 12,-
-und ein Packung Plektren 4,95
03.01.2008
Die E-Gitarre kommt erstaunlicherweise schon heute bei uns an und sieht richtig geil aus (für ein Fließbandprodukt aus China).
Mein Sohn und ich sind vollauf begeistert und wir versuchen die ersten Tage in einem kostenlosen Online-Gitarren-Kurs die ersten Griffe zu erlernen.
http://www.guitar-tv.de/
Akkorde zu greifen ist für ungeübte Finger alles anderes als leicht. Die machen keineswegs das, was man von ihnen verlangt.
06.01.2008
Ich kann meinen ersten Akkord. D-Dur. Zwar greife ich noch viel zu oft so, dass ich ungewollt eine andere Saite berühre aber es wird langsam immer besser.
Aber nur dieser eine Akkord befriedigt nicht. Wir wollen endlich mal eine Melodie spielen. Voller Ungeduld suche ich im Netz nach etwas ganz simplen und entdecke eine total einfache Melodie. Mittlerweile weiss ich auch was eine Tabulatur ist und werde es jetzt mal erklären:
Die waagerechten Linien sind die sechs Saiten so wie man sie beim spielen von oben sieht.
Die Zahlen stellen den jeweiligen Bund da. Eine 0 bedeutet die leere Saite anschlagen. Die anderen Zahlen stellen die Bünde vom Kopf bis zum Korpus dar (also beim Spielen von links nach rechts).
Praktischerweise haben die Bünde Markierungen (bei meiner E-Gitarre sind es Punkte). So eine Markierung ist auf Bund 3, 5, 7, 9, 12, 15, 17, 19 und 21 zu sehen und vereinfacht die Suche nach einem bestimmten Bund erheblich.
Bei der folgenden Melodie wird also nur die dicke E-Saite benutzt und es werden ganz einfach alle Töne nacheinander gegriffen und gespielt.
Also leere E-Saite, anschlagen! Finger auf den 3. Bund, anschlagen! Finger auf den 5. Bund, anschlagen! Leere Saite, anschlagen! Usw. usw.
Easy!
e————————-
B————————-
G————————-
D————————-
A————————-
E–0-3-5-0-3-6-5-0-3-5-3-0
Das ist “Smoke on the water” von Deep Purple. Zugegeben, ein ganz kleiner Teil des Songs aber den kennt jeder und mein Sohn und ich haben unsere erste Melodie. Yeah!
Welch Abwechslung zum Akkorde-greifen-üben
07.01.2008
Leider kommt der Verstärker und das restliche Material irgendwie nicht näher zu uns und als ich eine Mail an den Händler schreibe, wird mir erklärt, dass eines der bestellten Teile leider nicht vorrätig ist und das Gesamtpaket erst in einigen Tagen losgeschickt wird.
Och Mann… noch länger warten? Nö!
Wir möchten doch endlich mal hören, wie eine E-Gitarre richtig klingt. Man kann sie wider Erwarten zwar auch ohne Verstärker spielen (das tun wir ja auch schon seit Tagen) aber mit Strom soll es sich ja doch ein wenig interessanter anhören.
Ich storniere also meine Bestellung schweren Herzens und suche in Lübeck einen Musikshop der den Roland Verstärker führt.
Den finde ich auch. Soundhaus heisst der und befindet sich an der Lohmühle. Der Verstärker wird auf deren Internetseite zum gleichen Preis gelistet, wie beim anderen Händler.Prima. Auf gehts zum Soundhaus.
Ich betrete den kleinen, mit Instrumenten vollgestopften, Laden. Das erste was mich erstaunt, man wird sofort geduzt. Das zweite ist der bärtige Engländer mit Akustikgitarre. Wahnsinn! Der Mann kann Gitarre spielen. Der Verkäufer und ich kommen stimmlich kaum gegen die musikalische Untermalung an. Auf meinen Frage, was ich denn für Plektren (das sind diese kleinen Einkaufchips aus Plastik zum anschlagen der Saiten) für den Anfang brauche, meint der Verkäufer nur “Viele!” und legt mir eine Handvoll unterschiedlicher Dicke kostenlos dazu. Super! Danke nochmal!
Nach zehn Minuten bin ich um einiges ärmer aber in Besitz eines Amp (Kurzform von Amplifier/Verstärker), eines billigen Gurtes, eines Stimmgerätes (Korg TM-40) mit integriertem Metronom und diverser Plektren. Hurra. Es kann losgehen.
Zuhause wird erstmal das Stimmgerät ausgepackt. Die beiliegenden Batterien in den Schacht und anschalten. Hmm. Lieber noch einen Blick in die Anleitung.
E-Gitarre mit Stimmgerät per Kabel verbinden und dann den ersten Ton anschlagen. Komisch, der Zeiger schlägt nicht aus. Aha. Lautstärkeregler an der E-Gitarre aufdrehen. Geht doch. Das Stimmen erweist sich als recht simpel. Eine Saite wird angeschlagen und man dreht solange der Ton klingt, an der entsprechenden Stimmmechanik (engl. tuner), wenn der Zeiger in der Mitte auf Null steht, ist die Saite gestimmt. Einfach und schnell erledigt.
Dann der große Moment: Der Verstärker wird ausgepackt.
Er hat etwa die Größe einer Autobatterie und Sage und Schreibe 2 ganze Watt und läuft laut diversen Berichten locker 20 Stunden mit sechs AA-Batterien. Dann kann die Leistung ja nicht dolle sein, mag man jetzt denken aber man darf sich von der Wattzahl nicht täuschen lassen. Ich hätte nicht gedacht, was aus so einem kleinen Teil (im Musik-Forum auch Brüllwürfel genannt) herauskommt. Ich traue mich – auch an meine Nachbarn denkend – ehrlichgesagt nicht das Teil mal ganz aufzudrehen.
Stundenlang wird nun “Smoke on the water” in den unterschiedlichsten Tönen und Verzerrungen gespielt. Sahne.
08.01.2008
Was jetzt noch fehlt, ist ein gutes Lehrbuch.
“Garantiert E-Gitarre lernen” von Bernd Brümmer wurde mir wärmstens empfohlen und heute gehen wir in die Buchhandlung und kaufen es uns mal.
To be continued…

Einträge (RSS)
8. Januar 2008 an 23:10
Ein herrlicher Beitrag, aus dem Leben fürs Leben! Ich fiebere bereits der Fortsetzung entgegen! Übrigens: Hat dein Sohn die “peinlichen” Buchstaben übermalt?
9. Januar 2008 an 17:40
Also peinlich würd ich das nicht nennen. Sugar Plum Fairy sind ne super Band. Praktisch die kleinen Brüder von Mando Diao. Die kennt evtl (hoffentlich) schon eher!
Sonst super Beitrags. Ich habs auch mal versucht mit dem Anfangen. Habs aber nicht mal zum Gitarrenkauf geschafft! Den Punkt hast du ja schonmal abgehackt! Weiter so!
14. Januar 2008 an 12:02
Hallo Andreas.
Toll was ihr da versucht. Ich habe auch einige Musikgeräte versucht, spielen zu lernen, leider ohne Erfolg. Daher meine Hochachtung für Euer Vorhaben.
Es gibt nichts schöneres als eine eigene Hausmusik, dazu noch mit kleinen Kindern, zu hören.
Viel Spass beim Üben und gutes Gelingen.
Gruß, Gerhard
15. Januar 2008 an 14:56
Hallo Andreas ! Hallo Felix !
Ist ja Prima was Ihr Zwei “Musiker” da in Angriff genommen habt.
Wird sicher eine tolle Sache.
Wenn Ihr dabei bleibt kommt eine kleine Spende von mir rüber.
Dreht den Brüllwürfel mal voll auf, vielleicht kann ich Euch dann hören.
Gruß Jürgen
15. Januar 2008 an 19:32
Hi Andreas,
Supi geschrieben, kann alles sehr gut nachvollziehen weil ich ja auch kurz vorm Kauf auf einer E-Gitarre stehe.
Mach weiter so und schreibe Deine Erfahrungen auf, es werden bestimmt sehr viele Menschen die vor der Entscheidung stehen ein Instrument zu lernen, davon profitieren.
Gruß Multi-Treiber
PS Bin übrigens auch im Musiker-board angemeldet
26. Februar 2008 an 14:43
Hallo,
ich bin auch im moment E – Gitarre am lernen.
Ich habe mir eine ESP LTD Viper 50 gekauft, und einen
Marshall DFX 30. Nun ja, im grad tun meine Finger nach einem
AC/DC Song sehr weh.
28. Februar 2010 an 23:16
“Zugegeben, ein ganz kleiner Teil des Songs aber den kennt jeder und mein Sohn und ich haben unsere erste Melodie” – danke! *g*
28. April 2010 an 10:11
Und wie schauts nun aus? Vielleicht wäre ein kleiner “Nachtrag” zum Verlauf und der Entwicklung interessant?!